Besenrein 171126

während ihr noch an euren hassgeliebten arbeitsplätzchen herumhängt und versucht euren hunger nach leben mit dem vierten filterkaffee zu zerstauben, kommt hier zu uns in die keller der dystopielosigkeit die frischgepresste demodemo version unserer version des mojo classicas PAINT IT BLACK…
also genauergesagt das gegenteil.
denn alles wird ja immer weiß gemacht und besenrein gekehrt und wir müssen es wieder schwarz malen oder verschmutzen oder so…

oder:

auf die hierarchie der verordeneten ordnung können wir nur mit der ANARCHIE UNSERER HERZEN antworten…
oder so ähnlich…

umdrehen!

es darf getranzt werden
vor allem an den arbeitsplätzchen
und überal! !

!paint the lack!

„Rein geworfen ohne Gebrauchsanweisung!“

o d e r
Wie alles anfing

Ganz Bayern war von der CSU besetzt. Ganz Bayern? Nein. Ein keines Haus am Rande der nicht multikulturellen Gesellschaft versuchte der schwarzen Okkupation zu trotzen.
Es war die Zeit, eines rotgrünen Hoffnungsschimmers, die Zeit eines potentiellen deutschen WM Titels, die Zeit einer Möglichkeit, die deutsche Wirtschaft endgültig zugrunde richten zu können.
Und natürlich war es die Zeit – Gott sei dank – in der Deutsch HipHop schon lange nicht mehr (nur) cool war.
Wir bezogen, nach endgültig gescheiterten diversen Schulexperimenten, ein kleines, schön ausgebautes Gartenhaus, mitten ihm Wald. Um endlich mal Ruhe zu haben: vor der Haifischgroßstadt Würzburg, vor all den fundamentalistischen Schrebergartendikatoren und natürlich: vor uns selbst.
Ja, wir saßen rum. Lagen in der Sonne auf dem Dach, lagen auf der Veranda, unter dem Dach, wir aßen Nudeln und Früchtemüsli und auch Nudeln und brachten ab und an auch mal den Müll nach draußen. Abends gingen wir meistens ins Bett und morgens standen wir ab und an auf.
Und – nun gut – irgendwann machten wir auch Musik.
Und schnell war uns auch der Name unserer kleinen, wunderschönen Kommunenoase gegeben: InSel. Denn, eine Insel wollten wir sein, eine Insel im Sumpf der gesellschaftlich Intoleranz und sozialer Kälte. Eine neue Lebensform, eine wirkliche Alternative zum gesellschaftlichen Schwarz Weiß Koma wollten wir versuchen und bislang schien es auch zu gelingen.
Die InSel verließen wir nur um essen zu kaufen, oder wählen zu gehen, oder eben für Dinge, die in solch einer seriösen Lebensbeschreibung nichts zu suchen haben.
Abends waren immer jede Menge Leute. Immer: waren jede Menge Leute da. Es war der Sommer 03; die Zeit der riesigen Antikriegs und Antibushproteste und wir waren mitten drin: am Rande aller Gesellschaften, mitten drin, im Beginn von etwas Neuem, etwas ganz Außergewöhnlichem.
Nur, wussten wir noch nicht was, bzw. der deutsche Herbst war vorbei, es galt den deutschen Frühling heraufzubeschwören.
So war uns noch nicht ganz klar, ob wir als erstes eine Revolution machen wollten, oder erst eine Band gründen wollten. Und – unter uns gesagt – es ist uns immer noch nicht ganz klar. Ich würde mal sagen, es steht 50:50.

Man könnte es so versuchen:
Eines Abends gaben wir eine Party. Wir luden Leute ein und aßen Nudeln mit Tomatensoße. Es war Sommer und es war heiß, weshalb wir schon nach einiger Zeit ein Lagerfeuer einrichteten. Simon, der – damals noch – überall und immer Gitarre zu spielen schien, setzte sich unlängst an dieses Feuer und spielte Gitarre. Er dudelte einfach so darauf hin und starrte dabei apathisch ins Feuer.
Maddin kam nach einiger Zeit angeschlichen. Er setzte sich dazu. Der Maddin war ein Hip Hopper und hatte für das apathische Gitarrengeklimpere vom Simon nicht allzu viel übrig. Doch weil es ein schöner Sommertag gewesen war und weil sich die beiden trotz etwaiger musikalischer Differenzen doch eigentlich ganz gerne hatten, beschlossen sie ein Lied zusammen zu singen.
MADDIN: Komm Simon, wir singen ein Lied?
SIMON: Was?
MADDIN: Wir singen ein Lied?
SIMON: Nein, wir sitzen am Feuer!
In dieser Nacht wurden – mitunter – die „stubenhocker“ geboren…

Oder auch so:
Man weiß nie, wie die schönsten Sachen im Leben gekommen sind. Es hatte sich eben einfach alles so ergeben. Das ist immer so. Man weiß es nicht. Und es ist gut so, allein schon um nicht Gefahr zu laufen, einen Mechanismus aus der Positivität zu machen.
Wir wissen es nicht mehr, aber – bestimmt – es war wundeschön.

Aber am ehesten noch so:
Es waren die lauen Sommerabende, als wir auf den Feldern uns Sonnenuntergangstrunken, flüsternd das Leben lobten. Es waren die Gewitternächte, als wir unter der lauthals trommelnden Plastikmarkise auf der Veranda lagen, bis in den Morgen diskutierten und dann – fast simultan – draußen einschliefen. Es war die kühl frische Brise, die uns an höllischen Nachmittagen auf dem Schieferdach umwehte und uns mild die Hölle überstehen ließ.
Es waren de unzähligen Spätsommertage, an denen wir mit tausenden Freunden ununterbrochen dieses Lebensgefühl zu feiern wussten.
Es war all das – und noch soviel mehr – was wir komprimierten und verdichteten, um es in eine Melodie, um es in Worte, in eine Zeile zu weben. Es war jenes sorgenfreie Paradies, das man fast nur einmal im Leben erleben darf, das uns Halt und Zentrum war und das uns Sehnsucht und Urkraft blieb. Jenes Paradies eben, aus dem wir Musik machten.

Es wird doch noch wahr

Nachdem sich die Gerüchte nun schon bis nach Fulda „gespreaded“ haben, müssen wir die Sache eindeutig klar stellen, allein schon um die Fragen der mittlerweile 16 jährigen Teenager an ihre ahnungslosen Eltern von „Was hast du damals gemacht, als den stubenhocker n ihr Konzert in st bruno verboten wurde“, oder „wer waren eigentlich diese stubenhocker?“ und „stimmt es wirklich, dass sie jetzt bald ihr erstes album herausbringen?“, „20 Jahre später?“ sowie „Was haben sie denn die ganze Zeit gemacht?“, „wo waren sie?“, „was ist nur passiert?“ und hat ihre „Wiedervereinigung“ (wir würden eher sagen: Abwicklung!) tatsächlich etwas mit dem Wahlerfolg der AfD und dem scheitern einer teutschen Regierungsbildung zu tun.

WIR WISSEN ES DOCH AUCH NICHT!

Diese Standartantwort wollen wir etwas zurechtrücken.
SIE HABEN RECHT!
All die Frauen und all die Gerüchte, ja, sie haben Recht!

Wir werden unsere Platte rausbringen. Genauergesagt eine Compilation der THE VERY GREATEST HITS. VOL. ONE: the early Years // 2003-2017

Ja ok, wir haben lange daran gefeilt, wir haben daran gerabeitet, verdammt hart gearbeitet, wir haben sie durch die besten Studios von Ochsenfurt bis Langenprozelten geschleppt, wir haben sie mastern lassen bei den besten Adressen von Kitzingen bis Rimpar und wir sind verdammt stolz.
Die 15 Jahren haben sich gelohnt.
Diesen ganzen Vorwürfe, wir hätten unser Leben vergeudet, ihr hättet einen Beruf, ein Studium oder eine Therapie, immerhin ein Entzug machen sollen, diesen ganzen: „15 JAHRE!!!“, lächeln wir ein siegessicheres FUCK OFF entgegen.

Nein, Leute, ihr habt auf das falsche Pferd gesetzt, ihr habt 15 Jahre eures Lebens vergeudet! Ihr habt jetzt einen BEruf, den ihr hasst, einen Partner, der euch langweilt, Kinder, für die ihr nie Zeit habt und eine Plattensammlung, die anzuhören ihr keinerlei Nerv mehr habt. „Wann denn?“ , „Warum denn?“ lauten eure feigen und billigen ausreden.
Im Kern wisst ihr, dass ihr verschissen habt.
Ihr habt ja nicht mal mehr eine Regierung! Denkt mal drüber nach!

Ja klar, wir sind untergetaucht. Gut. Ja okay. Wir waren wirklich weg. Ja. War so. Aber wir haben keine Sekunde Ruhe gegeben bis nicht der letzte Regler, der letzte Seufzer, der letzte Atemzug an der richtigen Stelle war und wir haben ein Kunstwerk geschaffen, welches noch in 500 Jahren als „stark unterschätzt“ bezeichnet werden wird (vergleiche SZ online, kultur: WER WAR DIESE BAND?, 22.12.2517)

Ihr müsst diesen Scheiß nicht kaufen! Ihr habt doch selbst nichts. Wir wissen auch, dass diese zweite Garagenhälfte verdammt teuer war. Klar. Jeder hat seine Prioritäten.
Und wir werden dass auch gar nicht verkaufen!
Selbst in 500 Jahren nicht!

Kommt einfach vorbei. Hört es euch an! THERE S NO TIME BUT THE PRESENT!
Vielleicht trinken wir ja einen Kaffee im Anschluss!

Würde uns freuen !!!

MARINA HAFENBAR!

22.12.2017

!!! 20 Uhr !!!

BRINGT EURE ELTERN MIT!